Böhmer/Will, Regesten (706-1288)

5045 Quellen in dieser Liste. Sie sehen die Quelle 1688.

BW, RggEbMz 26 Nr. 001a

Datierung: April 1138 - 17. Juli 1147

Quelle

Ohne Aussteller, Empfänger und Empfangsort

Archiv: Böhmer/Will, Regesten

Weitere Überlieferung:

Böhmer/Will, Regesten S. LXVII-LXX

Inhalt

Kopfregest:

Einleitende Bemerkungen Böhmers und Wills zu Erzbischof Adalbert II.

Vollregest:

Auch Erzbischof Adelbert II. gehörte der Familie der Grafen von Saarbrücken an (S. oben bei Adalbert I.) und zwar war er ein Bruderssohn seines Vorgängers. (patruelis, ex fratre nepos, fratruelis. S. unten Regest Nr. 1.) Sein Vater hieß Friedrich, seine Mutter Gisela. (Vergl. oben die Zitate zu der Genealogie Adalberts I.) In der Urkunde vom Jahr 1139 für St. Peter bezeichnet er seinen Vorgänger mit dilectissimus pater. Seine Schwester Agnes war die zweite Gemahlin Herzog Friedrichs von Schwaben, des Bruders König Konrads III. (Itaque Fridericus ... ut Adelbertum juniorem uxoris suae, quam secundo acceperat, fratrem, eligerent. Ottonis Fris. Gesta Frider. in: MGH SS 20, 362.)

Die Erziehung Adalberts wurde mit großer Sorgfalt durch seinen Onkel geleitet, der ihn seine Studien zu Hildesheim, Reims, Paris und Montpellier machen ließ. (Vergl. Anselmi Vita Adalberti II Moguntini, aus welcher wir unten die Hauptpunkte zusammenstellen.) Adalbert war Propst zu St. Peter in Mainz, einige Zeit auch zu St. Stephan (wie Guden, C. d.I, 121 Note sagt) und zu St. Maria in Erfurt. Es ist uns nicht möglich zu erkennen, wann er die eine und die andere Würde erlangte, nur soviel ist deutlich, dass er beide wenigstens eine zeit lang zugleich inne hatte. Denn schon 1128 Juli 7 wird er in einer Urk. Adalberts I. (S. unten Nr. 201) unter den Zeugen als prepositus sancte Marie Adelbertus aufgeführt. Dann erscheint er im Jahr 1132 unter den Zeugen in der Urkunde Adalberts I. für das Kloster Schönau als prepositus St. Petri in Mainz. (S. unten Reg. Nr. 247). Und in seiner Urkunde für St. Peter von 1139 (s. unten Nr. 18) sagt er: .. cum adhuc prepositus ecclesie B. Petri essem etc. Später überließ er diese Propstei seinem Vetter Ludwig (in der angeführten Urk. zum Jahr 1139 sagt er: Postea vero succedente nostra donatione fideli nostro consanguineo Ludewico in eandem preposituram etc.), blieb aber Propst des Liebfrauenstifts zu Erfurt, da er noch in der Uk. Erzbischof Adalberts I. von 1133 Juni 18. (S. unten Nr. 256) für die St. Severuskirche in Erfurt als prepositus B. Mariae zuerst unter den Zeugen aufgeführt wird. Außerdem wird er in den Erfurter Annalen zum Jahr 1138 Erphesfurdensis prepositus genannt. (Vergl. Reg. Nr. 1.)

Nach dem Tod Adalberts I. versah der vertriebene Bischof Siward (Debsalensis?) zu Mainz die bischöflichen Funktionen, indem er viele Kirchen und Altäre weihte. (Ann. Disib. in Böhmer, Font. III, 209. u. M. G. SS. XVII, 25.) Die Vakanz von nahezu einem Jahr lässt vermuten, dass die Erwählung des jüngeren Adalbert längere Zeit auf Widerspruch gestoßen, doch wird nicht ersichtlich, von welcher Seite derselbe ausgegangen ist. (War vielleicht ein kanonisches Hindernis vorhanden, da eigentlich nur der zum Bischof gewählt werden konnte, der in sacris ordinibus d. i. Diakonat und Presbyterat fromm gelebt hatte? Vergl. Hefele, Conciliengesch. V, 180.) Die Ann. Erphesf. sagen nur: post longas cleri ac populi dissensiones constituitur. Augenscheinlich gab der König auf Veranlassung seines Bruders Friedrich, der ein Schwager Adalberts war, (Vergl. Rühl, Recherches etc. 131 u. 133.) die Entscheidung (Vergl. reg. nr. 1) und hierauf erst erfolgte die übereinstimmende Wahl von Klerus und Volk, von welcher in den Quellen berichtet wird. (1138 April 17-24). In zwei Urkunden König Konrads von 1138 (April) wird Adalbert unter den Zeugen als Mog. electus aeus aufgeführt. (S. unten Nr. 2 u. 3). Am 28 Mai wurde er von Bischof Otto in Bamberg zum Priester und am folgenden Tage zum Erzbischof geweiht. (S. unten Nr. 6.)

Persönliche Liebenswürdigkeit, Herzensgüte, Gerechtigkeitssinn und eine umfassende Gelehrsamkeit, das sind die hauptsächlichsten Eigenschaften, welche Anselm in der Vita Adalberti an ihm zu rühmen weiß. Ein freundlich koloriertes Bild entwirft er von ihm in den Versen: Set pius Albertus, sine lucri peste repertus, non regale genus violavit sicut egenus, nec meriti clari vis polluit instar avari; indolis ipse bonae liber fuit ambitione, liber avaricia, quam nescit amare sophia. Nec fuerat Cynicus, nec corrosoris amicus; nec dolus inventus, set verus sermo retentus eius in ore fuit. Verbum nec inutile fugit illius ex ore; nec vox fuit absque rigore, set quam dicebat, oratio pondus habebat. Nec risum novit, nisi raro, nec ioca movit, non sibi vulgari credens fas more iocari; nilque licere putat, bona quod natura refutat, vel quod erat morum contra decreta bonorum. Tamque verecundus fuit et tam corpore mundus, ut nequeat dici: mores cuiusque pudici. consimiles morum virtutibus esse suorum. Es dürfte die Frage hier am Platz sein, ob der Tugendspiegel, welcher hier aufgestellt wird, mit den Ermahnungen in Einklang zu bringen ist, welche Abt Ruthard von Eberbach, wie wir annehmen, Adalbert zuteilwerden lässt. (S. unten Nr. 43). Wir meinen: ja, indem wir in dem vorzüglichen Lebenswandel des Erzbischofs eine Frucht der eindringlichen Ermahnungen erkennen, welche der Treue und wohlwollende Berater Abt Ruthard an ihn richtete.

Obgleich Adalbert nur kurze Zeit als mächtigster Reichsfürst regierte, so bot sich ihm doch hinlänglich Gelegenheit, in die politischen Ereignisse tätlich einzugreifen und - merkwürdig genug - ganz wie sein Onkel und Vorgänger Partei zu nehmen gegen das Haupt des Reiches, welchem er doch seine hohe Würde zu verdanken hatte. Er schloss sich nämlich in dem Kampf der Welfen gegen die Staufer den ersteren an, so dass Otto von Freising mit Recht sagen konnte: Qui patruum suum seniorem Albertum non exuens, non bene gratus beneficiorum extitit, nec plene fidum principi suo se exhibuit. MGH SS 20, 362.)

Adalbert II. ist einer von den wenigen Mainzer Erzbischöfen, denen ein Zeitgenosse eine eigene Lebensbeschreibung widmete. Dieselbe wurde erst im Jahr 1839 von Bethmann aufgefunden (S. Archiv f. ält. deutsche Geschichtskunde. VIII, 42 u. 519) und nach der auf der Bibliothek zu Brüssel befindlichen Handschrift zum ersten Mal von Jaffé in den Mon. Mog. (Biblioth. hist. med. aevi T. III.) S. 564-603 herausgegeben. Diese »Vita Adalberti II. Maguntini« besteht aus einem Proömium und fünf Distinktionen und umfasst 1147 Vse. Der Wert dieser Quelle für die allgemeine Geschichte ist ein sehr unbedeutender und auch in bezug auf Adalbert lässt sich aus den panegyrischen Phrasen wenig mehr als Nachrichten über seine Studien gewinnen, welche er zu Hildesheim, Reims, Paris und Montpellier machte. Dieselben werden allerdings in ausführlicher Weise behandelt und bei dieser Gelegenheit treten zahlreiche, die Geschichte der Wissenschaften im zwölften Jahrhundert betreffende Punkte in den Kreis der Darstellung. Auch finden die verschiedenartigsten kulturhistorischen Momente eine lebensvolle Beleuchtung. Die Sprache ist zum Teil etwas wunderlich, ohne jedoch dem Verständnis besondere Schwierigkeiten zu bieten. Über den Verfasser unserer Vita Adalberti II. geben die Verse des Proömiums: Utile quod credo, lecturis versibus edo. Set nec ego fictis, Anselmus, inhereo dictis, ut mihi queratur favor aut laus vana petatur; cum sit lex talis decreti pontificalis: ne quis aduletur, cathedrae qui rector habetur. Ergo contendam, personam jure verendam sic celebrem facere, reor ut ratione licere einigen Aufschluss, indem man durch dieselben erfährt, dass der name des verfassers Anselm war. Ueber die person desselben sind bis jetzt zwei verschiedene Ansichten aufgetaucht. Wilmans hielt ihn für den Propst Anselm von Maria ad gradus (Vergl. Jaffé, De arte medica saeculi XII. S. 17: ... Wilmans ... ad me perscripsit haec: Vita Adelberti, quam Bethmannus in saeculi XII cod. bibliothecae Burgundicae invenit, ab Anselmo (praeposito ut videtur ecclesiae S. Mariae ad gradus Moguntinae ab. a. 1124-1151) circiter anno 1150 versibus composita est), der zwischen den Jahren 1128 und 1151 vielfach als Zeuge in den erzbischöflichen Urkunden vorkommt. In der kurzen Einleitung zu der Ausgabe der Vita Adalberti II. hat nun Jaffé (Mon. Mog. 565 flgde.) den Versuch gemacht, die Autorschaft der genannten Vita dem Bischof Anselm von Havelberg zu vindizieren. Den Beweis hierfür sucht er zunächst aus den obigen Versen herzuleiten, indem er das cathedrae qui rector habetur subjektiv auffasst und auf Anselm bezieht. Das decretum pontificale, von welchem die Rede ist, würde dann besagen: »ein Bischof soll nicht schmeicheln.« Die Existenz eines solchen Dekrets dürfte aber schwer nachzuweisen sein. Viel natürlicher will es uns scheinen, die obigen Worte objektiv aufzufassen und demgemäß in dem fraglichen Decretum pontificale das Verbot zu erkennen: »einem Bischof soll man nicht schmeicheln.« Ein solches Verbot würde schon wegen der hohen Stellung, die ein Bischof einnimmt, eine größere Berechtigung für sich haben, als die erstere Auffassung; ganz besonders aber muss die Erinnerung an ein Dekret, welches einem Bischof zu schmeicheln verbietet, in dem Proömium zu der Lebensbeschreibung eines Bischofs als am rechten Ort befindlich angesehen werden. Die sonstigen Gründe, welche Jaffé zur Unterstützung seiner Ansicht beibringt, haben geringe Bedeutung und es lassen sich dieselben durch gewichtigere Momente zur Führung des Beweises entkräften, dass der Autor in Mainz lebte und mit den dortigen Verhältnissen, sowie namentlich mit Adalbert II. und dessen Freundeskreisen viel vertrauter war, als es wohl bei dem Bischof Anselm von Havelberg der Fall sein konnte. Ohne hier auf eine nähere Beleuchtung oder Entkräftung der Argumente Jaffé's näher einzugehen, verweisen wir auf unsere Untersuchung »Ueber die Person Anselms, des Verfassers der Vita Adalberti II, archiepiscopi Moguntini«. in: Forschungen z. deutsch. G. XI, 623-630, deren Resultat lautet: »Anselm, der Biograph Erzbischof Adelberts II, war nicht der gleichzeitige Bischof Anselm von Havelberg, wahrscheinlich auch nicht der Propst Anselm von Maria ad gradus. - Vielmehr erkennen wir in unserem Anselm einen Angehörigen der Diözese Mainz und zwar einen Bewohner der Stadt Mainz, der wahrscheinlich Chorherr irgendeines Stifts und vielleicht Lehrer der Philosophie war.«

Zu der bei Erzbischof Adalbert I. aufgeführten Literatur fügen wir nur noch bei: Heinemann, Albrecht der Bär. (Darmstadt 1864) S. 129 u. 353.

Das Siegel Adalberts II. ist beschrieben und abgebildet in: Würdtwein,N. subs. II. Einleitung. XXIII und Tafel X.

Kurze Inhaltsangabe von Anselms Vita Adalberti II.: Adalbert, ein Sohn Galliens, ahmte die edeln Taten seiner Vorfahren nach und zeichnete sich unter seinen Genossen durch Talent wie durch Bildung aus. Er wurde Papst durch einstimmige Wahl und bemühte sich ein gerechter Richter zu sein. Obgleich Mainz durch seine Schule glänzte, so ging Adalbert doch nach Sachsen und zwar nach Hildesheim quod disceret artes. Er wurde bald Gegenstand der Bewunderung und hatte sich von allen Seiten zahlreicher Beweise der Aufmerksamkeit zu erfreuen. Sein Onkel, Erzbischof Adelbert l., wies ihm reichliche Geldspenden zu. In der Dichtkunst wie im Schreiben der Prosa machte er rasche Fortschritte, sodass er auf Wunsch des Erzbischofs bald nach Mainz, wo er von seinen Freunden sehnlichst erwartet wurde, wohlerhalten zurückkehrte. Nach wenigen Tagen riet ihm aber Adalbert I. deserat ut patriam, peregre querendo sophiam, et logicam discat, ars ne percepta fatiscat. Adalbert begab sich also mit einer glänzenden Begleitung nach Reims, wo er sich vorzugsweise mit Philosophie beschäftigte. Von dem Sittenverderbnis jener Stadt, welches ausführlich geschildert wird, blieb er unberührt, was einer ausdrücklichen Erwähnung werterachtet wird. Erzbischof Adalbert rief dann seinen Neffen nach Mainz zurück, wo sich derselbe einige Zeit aufhielt, und die Liebe aller in hohem Grad gewann. Der Onkel wünschte aber, dass der junge Adalbert eine umfassendere wissenschaftliche Bildung erhalte, als seine Genossen und schickte ihn deshalb zur Vollendung der Studien nach Paris. Ergo, pio sibi consocio, cetu veniente, pro trivio pro quadrivio parat ire repente; Im Kreis seiner zahlreichen Freunde war der Abschied ein sehr schmerzlicher. In Paris beschäftigte sich Adalbert unter Leitung des berühmten Thedricus mit Rhetorik, Grammatik und Logik. (Trivium.) Corpore iam sospes, animo nec languidus hospes discipulus dici dignatur et esse Thedrici; rethoricos flores variosque legendo colores, grammaticus fieri logicusque laborat haberi. Sparsam in bezug auf seine Person spendete er reichlich den Armen und namentlich unterstützte er den dürftigen Klerus. Seine Lehrer belohnte er mit reichen Geschenken. Nachdem auch hier sein Abschied eine allgemeine Trauer verursacht hatte, begab er sich über St. Gilles nach Montpellier, wo er sich den medizinischen Studien widmete. Hierauf kehrte er nach Mainz zurück, wo ihm ein freundlicher Empfang, namentlich auch von seinem Onkel, zuteil ward.

Dieser starb bald nachher (1137, Juni 23), wodurch eine große Verwirrung unter dem Klerus entstand. Durch einstimmige Wahl von Klerus und Volk wurde Adalbert der jüngere auf den erzbischöflichen Stuhl von Mainz erhoben. Dem Ruf des Papstes (Innocenz II.) folgend, ging er nach Rom und wurde daselbst aufs freundlichste empfangen. Der Papst befragte ihn über den Zustand des Mainzer Domes und versprach, zur würdigen Ausschmückung desselben beizutragen, was Adalbert dankbar annahm. Nachdem gegenseitig Geschenke ausgetauscht waren, verließ der Erzbischof Rom, und in Mainz angekommen, begrüsßte ihn Klerus und Volk, dem er von der Kanzel der Domkirche aus die wohlwollende Gesinnung des Papstes verkündete und den Segen erteilte.

Als Erzbischof vollführte Adalbert gern die Befehle des Papstes und übte fleißig die Werke der Barmherzigkeit. Für den Klerus war er ein leuchtendes Vorbild, dem Volk empfahl er die Kenntnis der göttlichen Gesetze. Er hatte die Absicht, zur Beförderung des Gottesdienstes den Zisterziensern Kirchen zu bauen, allein er fing an zu kränkeln und starb zu Erfurt am 17. Juli 1141. Die Erzählung, dass er plötzlich an Gift gestorben sei, wird als unwahr bezeichnet. Er wurde mit dem reichsten erzbischöflichen Schmuck bekleidet unter großer Feierlichkeit zu Mainz beigesetzt. Über seinen Tod werden noch verschiedene Gerüchte mitgeteilt. Klerus und Volk wählten Marcolf zu seinem Nachfolger.

Quellenansicht

Keine

Metadaten

Personenindex

Zitierhinweis:

BW, RggEbMz 26 Nr. 001a, in: Die Regesten der Mainzer Erzbischöfe, URI: http://www.ingrossaturbuecher.de/id/source/21662 (Zugriff am 18.05.2024)