Zur Zeitrechnung im Erzstift Mainz

Julianische Kalenderreform

Als die Gelehrten des römischen Herrschers Gaius Julius Caesar († 15.3.44 v. Chr.) im Jahr 45 v. Chr. den julianischen Kalender im römischen Reich einführten, berechneten sie die Länge eines Jahres mit 365 Tagen und 6 Stunden. In Wirklichkeit ist das Jahr, das wurde erst im 16. Jahrhundert so herausgefunden, aber 11 Minuten und 14 Sekunden kürzer. Im Laufe der Jahrhunderte ergab sich damit eine Differenz zwischen Julianischen Kalender und den Jahreszeiten, die im 16. Jahrhundert zehn Tage betrug. Diesen Umstand, der Auswirkungen auf die im Christentum so wichtigen Festlegungen des Osterfestes hatte, beseitigte Papst Gregor XIII. (1572 bis 1584) im Jahr 1582.

Jahresanfang im Mittelalter

Die Kirchenversammlung von Mainz erklärte im Jahr 813 den 25. Dezember offiziell zum Geburtstag Christi. Seitdem fiel im Bereich des Erzbistums Mainz (stilus Moguntinus) und seiner Suffraganbistümer der Jahresanfang auf den 25. Dezember.

Die Stadt Frankfurt war schon in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts zum 1. Januar-Stil übergegangen{Grotefend (S. 12 Anm. 3)}, der sich dann, wohl unter Frankfurter Einfluss, in der kurmainzischen Kanzlei und im Gebiet der Landgrafen von Hessen seit etwa 1280 weitgehend durchsetzte. Für die Regestierung der Ingrossaturbücher ab dem Jahr 1374 wird demnach, wenn keine zwingenden Gründe auf den Weihnachtsstil hinweisen, der Jahresanfang auf den 1. Januar gelegt.

Kalenderreform 1582

Im Jahr 1582 fand die erste Tag-und-Nacht-Gleiche bereits am 11. März statt. Um diesen Tag (Frühlingsanfang) wieder auf den 21. März zu bringen und Ostern wieder am »richtigen« Tage feiern zu können, bestimmte Papst Gregor (Gregorianische Kalenderreform), dass im Jahre 1582 zehn Tage übersprungen werden sollten (auf den 4. Oktober sollte unmittelbar der 15. Oktober folgen). Das Erzbistum Mainz führte den neuen Kalender im November ein und »sprang« vom 11. auf den 22. November. Folglich gab es in mainzischen Urkunden die Tage 12-21. November 1582 nicht. Der 25. Dezember blieb der Tag, an dem die Geburt Jesu gefeiert wurde.

Die alte Regelung der Schalttage (alle durch 4 teilbaren Jahre sind Schalttage) wurde ebenfalls geändert, um künftigen Differenzen vorzubeugen. Alle nicht durch 400 teilbaren vollen Jahrhunderjahre, also die Jahre 1700, 1800, 1900 und 2100 wurden zu Normaljahren erklärt. Die Jahre 1600 und 2000 sind dagegen Schaltjahre geblieben.

Der eigentliche Schalttag war seit der julianischen Kalenderreform der 24. Februar, der einfach doppelt begangen wurde. Dies kann bei der Bestimmung kirchlicher Feiertage und Namenstage von Bedeutung sein. Im deutschen Mittelalter wird in Schaltjahren nach dem 29. Februar ein weiterer Tag in den Kalender eingefügt.

Zwischen 1582 und 18. Februar 1700 wurden der alte (julianische) Stil und der neu (gregorianische) Stil mancherorten überhaupt nicht oder nebeneinander verwendet. Die protestantischen Länder Deutschlands weigerten sich zunächst, den neuen Kalender zu übernehmen und blieben noch bis 1700 beim Julianischen Kalender. Erst dann wurde ein »verbesserter Kalender« eingeführt, der sich aber vom Gregorianischen Kalender durch die Bestimmung des Ostertages unterschied. Erst seit 1776 bestimmen evangelische und katholische Christen Ostern wieder auf die gleiche Weise.

Wird nach »altem Stil« gerechnet (so etwa in allen schwedischen Aktenstücken bei Brück, Regesten Rheinhessen), sind in den ersten Wochen des Monats stets 10 Tage hinzuzuzählen, um die Daten des »neuen Stils« zu erhalten. Im letzten Drittel des Monats wechselt die Umrechnung ggf. in den neuen Monat.